12.07.07
Timm Flemming – Ich, mein größter Feind
Borderline – damit wird eine Vielzahl von Verhaltensweisen und Gefühlen beschrieben. Timm Flemming bekam 2002 die Diagnose, durch die seine Ängste und Schmerzen endlich einen Namen erhielten. Von klein auf galt er als eigenwillig, seltsam, „anders“.
Die Eltern nehmen sich beide das Leben, als er vierzehn ist.
Seine Trauer schlägt sich in Depressionen, einer Essstörung und ersten Selbstverletzungen nieder. Es beginnt ein harter Weg mit mehreren Klinikaufenthalten. Heute hat Timm ein stabiles Leben aufgebaut und gelernt, Borderline nicht nur als Fluch, sondern auch als Segen zu betrachten, seine Kreativität auszuleben und seine extreme Sensibilität sinnvoll zu nutzen.
während des lesens dieses buches lernt man sich selbst und seine abgründe bestens kennen. man leidet mit timm flemming, erlebt in diesem rückblick seines lebens mit ihm gemeinsam seine kindheit und auch seine jugend. man beginnt seine eigenen motive und werte zu hinterfragen, fällt mit ihm hinab in die tiefsten abgründe des menschlichen seins und erklimmt stufe für stufe den weg zurück in die helle welt.
wobei es nicht einfach ist für einen borderliner die welt in weiß oder grau zu sehen, denn meist ist sie schwarz.
gerade im mittelteil, der von timms neugierde und seinem selbsthass zeugt, saß ich teilweise weinend im bett und wollte das buch nicht mehr lesen, doch ich konnte nicht aufhören. niemand könnte es, denn dieser neutrale bericht einer kaputten seele, deren kindheit und einer enorm schwierigen jugend reißt mit.
so sehr, dass man mit sich selbst konfrontiert wird und für sich selbst einiges herausfindet.
mein fazit: 5/5
hart, aber lesenswert.